Im Jahre 1477 stirbt Karl der Kühne, Herzog von Burgund. Maria von Burgund heiratet den Habsburger Erzherzog Maximilian von Österreich, der nach Marias Tod im Jahre 1482 die Regentschaft für ihren Sohn Philipp übernimmt. Er praktiziert eine starke, kaiserliche Politikform und stößt daher auf den Missmut der großen Städte. Dies bedeutet der Beginn eines zehnjährigen Aufstandes der Flämischen und Brabanter Städte gegen Maximilian.
1488 erobert Philipp von Kleve-Ravenstein als Anführer der Aufständischen Brüssel. Der damalige Herr von Beersel, der seinem Lehnsherrn Maximilian von Österreich treu ergeben war, geht in seiner Burg in die Defensive und seine Truppen beeinträchtigen die Kommunikation und unterbinden die Belieferung der zahlreichen Brüsseler Bürger, die in der Umgebung von Brüssel Besitztümer hatten. Nach einem erfolglosen Versuch, die Burg Beersel einzunehmen, kehrten die Brüsseler in ihre Stadt zurück und rächten sich an dem prachtvollen Haus der van Wittems in der Volderstraat. Der französische König Ludwig XI. eilt den Einwohnern von Brüssel 1489 mit seiner militärisch breit aufgestellten und modernen Armee zu Hilfe. Die Burg wird in wenigen Tagen durch eine modifizierte Kriegstechnik der französischen Artillerie, die für den Angriff auf Städte entwickelt wurde, erobert: zahlreiche leichte und einfach zu transportierende Geschütze - eine große Feuerkraft, die auf einen Angriffspunkt konzentriert ist (22 Einheiten, die jeweils 96 Schüsse pro Tag abgeben können, d.h. einen Schuss alle 40 Sekunden) - bis eine ausreichend große Bresche für einen Angriff geschlagen ist. Bei der Beschießung werden der Südturm, die Wohnung und der Torturm zerstört. Aus: Michel de Waha, Les traces du bombardement de Beersel en 1489.
Bei der archäologischen Untersuchung im Graben der Burg Beersel wurden in den Füllpaketen der Latrinen verschiedene Fragmente von Kachelöfen gefunden. Ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wird der mittelalterliche Wandkamin mit Schornstein weiterentwickelt zum Kachelofen, wodurch der Wohnkomfort stark verbessert wurde. KACHELÖFEN haben zwei übereinander liegende Teile: einen Unterbau, in dem das Feuer aus einem angrenzenden Raum gespeist wird, und einen Oberbau, der für die Wärmeverteilung im Raum sorgt.
Im Gegensatz zum Wandkamin besteht der große Vorteil darin, dass weder Rauch noch Staub im zu heizenden Raum freigesetzt werden und durch die spezielle Form der Kachelofenfliesen kann die Wärme nun auch mehr und viel weiter im Raum verteilt werden. Außerdem können die Fliesen die Wärme eine Zeit lang speichern (Akkumulator), auch nachdem das Feuer im Ofen bereits erloschen ist. Ein Kachelofen war zu der Zeit ein sehr teurer Luxusartikel und nur in adeligen Wohnhäusern, Schlössern oder Burgen und in Klöstern zu finden.
Es gibt zwei Arten von Kachelöfen. Die frühesten Beispiele sind die sogenannten Nischenfliesen mit durchbrochenem spätgotischem Zierstück, der von der Nischenkachel und aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt. Ein aus dem 16. Jahrhundert stammender Kachelofen besteht aus viereckigen, sogenannten Plattenkacheln mit Reliefverzierung. Bei den Ausgrabungen am westlichen Turm haben wir die erste Kachelsorte entdeckt, wie aus der o.a. Abbildung ersichtlich ist. Das Original ist in dem archäologischen Container ausgestellt.



