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Behautechniken

CHRONOLOGIE

Um die Entwicklung mittelalterlicher Baustellen zu untersuchen, können uns die Bearbeitungsspuren, die der Steinmetz auf der sichtbaren Oberfläche der Steine hinterlassen hat, weiterhelfen. Eine in Brabant durchgeführte Untersuchung hat gezeigt, dass die Steinmetztechnik im 15. Jahrhundert zweimal geändert wurde.

Wir nennen die drei aufeinanderfolgenden, sich jedoch teilweise überschneidenden Steinmetztechniken: Phase I, Phase IIa und Phase IIb. Der Wechsel zwischen Phase I und Phase IIa hat zwischen 1400 und 1420 stattgefunden; der Wechsel zwischen Phase IIa und Phase IIb zwischen 1430 und 1450. Das bedeutet, dass man durch die Erforschung der Übergangslinien oder -zonen zwischen zwei Behautechniken in einem Gebäude aus dem 15. Jahrhundert eine ziemlich klare Vorstellung vom Zustand einer Baustelle bekommen kann.

 

BEHAUTECHNIK

In mittelalterlichen Gebäuden findet sich auf der behauten Steinoberfläche oft eine separate, behauene Randleiste.  Diese Kante ist keine Zierleiste, sondern ist technischen Ursprungs. Zu Beginn der Glättung der rauen Steinoberfläche wurden die beiden gegenüberliegenden Kanten des künftigen Rechtecks zunächst mit einem Messstab in dieselbe Fläche gelegt und dann mit dem Meißel flach gehauen. Danach wurden diese zwei ersten Kanten mit Hilfe des Meißels verbunden. Die endgültig gehauene Kante, die sich über den gesamten Umfang des Rechtecks erstreckt, wird als Randschlag oder Saumschlag bezeichnet. Das gleiche Verfahren wurde dann für die angrenzenden Flächen wiederholt, die senkrecht zur ersten Fläche angelegt wurden.

Der mittlere Teil der zu behauenen Steinoberflächen steht gegenüber dem Randschlag noch über. Die Unebenheiten wurden mit Hilfe des Steinbeils, der Polka oder dem Scharriereisen beseitigt. Es war wichtig, den Randschlag zuerst anzubringen, um zu verhindern, dass andere Werkzeuge zu nahe an die Kante herankamen, was zu unerwünschten Schäden an der Kante der scharrierten Steinoberfläche hätte führen können.

Im 15. Jahrhundert übernahm der Meißel allmählich die Rolle des Steinbeils, der Polka und des Scharriereisens. Dieser Wandel fand sicherlich nicht bei allen Gesteinsarten gleichzeitig statt. Manchmal sind die Bahnen, die der Steinmetz mit seinem Meißel über den Stein zog, deutlich sichtbar. Diese Bahnen sind oft recht krumm, obwohl ganz allgemein eine Regelmäßigkeit in der Scharrier- bzw. Behautechnik sichtbar ist. Die Breite der Bahnen gibt die Minimumbreite des Meißels an, der zum Scharrieren benutzt wurde.